Bewährung der Freiwilligen Feuerwehr
Schon
im ersten Jahre ihres Bestehens konnte die Freiwillige Feuerwehr Linden
bei einem Brand in der Asphaltfabrik in Limmer ihre Bewährungsprobe
ablegen. Das Königliche Amt Linden selbst schrieb am 19. Juni 1877 dazu:
„Es
gereicht mir zu großen Freude, der freiwilligen Feuerwehr von Linden
für das erstmalige Auftreten bei dem am 10ten d. M. in Limmer
ausgebrochenen Feuer auf der Asphaltfabrik meine Anerkennung bezeugen zu
können.
Die Pünktlichkeit, mit der das Corps selbst ohne
Alarmzeichen sich versammelt hat, die Geschwindigkeit, mit welcher die
Mannschaften mit Aufopferung ihrer eigenen Kräfte die Spritze und
Gerätschaften zur Brandstelle nach Limmer geschafft haben, das kräftige
und dabei ruhige Auftreten der Führer und Mannschaften bei der Löschung
verdienen volles Lob.
Indem ich solches hiermit ausspreche, hege ich
den aufrichtigen Wunsch, daß ein gleich guter Geist auch in Zukunft im
Corps herrschen möge."
Im Jahre 1880 wurde die Musikkapelle
gegründet. Als im Juli 1885 in Langenhagen ein großen Brand entstand,
bei dem den Wärterinnen der Anstalt ihre ganze Habe verbrannte,
veranstaltete die Musikkapelle ein Konzert, dessen Überschuß in Höhe von
144,95 Mark den Geschädigten überreicht wurde.
Im August 1887 wurde
ein Rettungssack angeschafft. Der Magistrat stiftete 100,- Mark, der
Bürgerverein 30,- Mark und der Hauswirtverein 50,- Mark. Für die
wirksame Tätigkeit beim Brande der Baumwollspinnerei wurden an Prämien
450,- Mark vereinnahmt. Diese Prämien sind jeder Wehr willkommen. Sie
sind ein Ansporn, schnell zur Stelle zu sein und ohne Verzug das
feindliche Element zu bekämpfen.
Ein Streitfall zwischen den Lindener
Wehren und der Hannoverschen Berufsfeuerwehr führte dahin, daß die
hannoverschen Wehren an der Ihmebrücke warten mußten, bis der Lindener
Bürgermeister oder ein hoher Polizeibeamter sie zur Hilfe herbeirief.
Am
09. Oktober 1892 wurde bei Basse im alten Bauernkrug „Zur Sonne",
Eleonorenstraße, der Leine-Weser-Gauverband auf den ganzen
Regierungsbezirk Hannover ausgedehnt und gegründet. Unser 1. Hauptmann
Borchers wurde zum Verbandvorsitzenden gewählt. Der 1. Verbandstag fand
in Hoya am 04. Juni 1893 statt. Die Wehr beteiligte sich mit 43 Mann
einschließlich des Musikkorps. Der 2. Verbandstag des Regierungsbezirkes
Hannover wurde 1894 am 16/17. Juni in Linden unter großer Beteiligung
der Einwohnerschaft und vieler fremder Wehren abgehalten. Von nun an
fanden die Verbandssitzungen nur alle 2 Jahre statt.
Der V.
Gauverbandstag fand im Juli 1898 in Bücken statt. Treue Freundschaft
verband allezeit die Freiwillige Tuner-Feuerwehr mit den Wehren in Stadt
und Land. Das zeigte sich stets an der Anteilnahme bei den
Stiftungsfesten, die wechselseitig gut besucht wurden. Ganz besonders
aber war die Freundschaft zu der Wehr Bücken, wir entnehmen dem Hoyaer
Wochenblatt folgende Zeilen:"..... die Übungen der Bückener Wehr
klappten vorzüglich und nötigten auch den hannoverschen Wehren, die doch
manche praktische Erfahrung haben, hohen Respekt ab". Nach diesem
Bericht mag es auf diesem Verbandsfest recht fröhlich zugegangen sein,
denn es heißt weiter: "Kinners, ich kann nicht mehr", so sagte ein
Feuerwehrmann aus Linden. Seine Wirtsleute hatten ihm mit Braten und
Wein so zugesetzt, daß er für weitere Tafelgenüsse unempfänglich war.
Daß
die Wehrleute aber auch zu anderen Gelegenheiten ihren Mann standen,
besagt eine Notiz vom 26. Juli 1998, die wir hier wörtlich wiedergeben
wollen:
Hoya, 26. Juli („Die letzten von Bücken") Viele fremde
Feuerwehrleute, die das Gauverbandsfest in Bücken mit feierten, haben
dort gut ausgehalten. Gestern Abend passierten noch ihrer 9 auf einem
Wagen unseren Ort. Vor dem Barmführschen Atelier auf der Langenstraße
hielten sie an, um sich auf dem Wagen photographieren zu lassen. Als
Unterschrift soll auf dem Bild stehen: „Die letzten von Bücken". Dieses
Bild ist noch heute im Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Linden zu
sehen, eine Kopie wurde bei einem Besuch in Bücken der Wehr 1974
übergeben.
1902 konnte Bücken sein 25-jähriges Bestehen begehen. Aus
diesem Anlaß stiftete Linden eine wertvolle Tischglocke, die auch heute
noch nur bei besonderen festlichen Veranstaltungen ihre Stimme ertönen
läßt. Die Bückener Wehr ernannte an ihrem 25-jährigen Jubiläum unseren
1. Hauptmann Borchers zum Ehrenmitglied.
Am internationalen Feuerwehr
– Kongreß in Berlin am 05. Mai 1901 nahmen Hauptmann Borchers und als
Vertreter der Stadt Stadtbaurat Fröhlich und Senator Röttger teil. Im
laufe der ersten 50 Jahre beteiligte sich die Wehr an den
niedersächsichen Feuerwehrtagen in Osterode 1879, Ludwigslust 1881 und
Verden 1883 sowie an den späteren Feuerwehrtagen des Feuerwehrverbandes
für die Provinz Hannover in Hildesheim 1885, Osterode 1887, Celle 1889,
Leer 1891, Goslar 1893, Göttingen 1895, Peine 1897, Wilhelmshaven 1899,
Hildesheim 1901, Stade 1903, Lautenberg/Harz 1909, Hann. Münden 1913,
Hildesheim 1916, Lüneburg 1918, Goslar 1920, Lehe 1922 und Hameln 1926.
An
ihrem 25jährigen Stiftungsfest, das besonders feierlich unter
Anteilnahme der gesamten Einwohnerschaft Lindens vom 18. Bis 21. Oktober
1901 mit Festessen, Kommers, Konzert und Ball begangen wurde, bestand
die Wehr aus 68 aktiven und 110 passiven Mitgliedern. In den vergangenen
25 Jahren war sie bei 71 Schadenfeuern zum Einsatz gekommen, noch
häufiger rückte sie aus, ohne daß sie noch hätte in Tätigkeit treten
müssen . Diese Zahlen stellen die große Bedeutung unter Beweis, die die
Freiwillige Feuerwehr vom Anfang ihres Bestehens an für den Feuerschutz
der Gemeinde und späteren Stadt Linden gehabt hat. Sie waren am
Jubiläumstage eine schöne Rechtfertigung des Wollens der ersten Gründer
und eine eindeutige Anerkennung ihres idealen Werkes.
Der 1.
Hauptmann der Wehr, Adolf Meyer, erlebte diese Festtage nicht mehr. Im
Jahre 1884 hatte er sein Amt aus Altersgründen an Luis Borchers
abgegeben; er selbst war zum Ehrenmitglied der Wehr und zum
Ehrenhauptmann ernannt worden. Am 19.02.1899 war er im Alter von 71
Jahren gestorben.