Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Linden
Das
125jährige Bestehen der Freiwilligen Turner-Feuerwehr Linden – heute
Ortsfeuerwehr Linden der Freiwilligen Feuerwehr der Landeshauptstadt
Hannover – läßt zwangsläufig einen kleinen Rückblick, zurück in die
Zeiten der Gründung und der Entwicklung dieser Freiwilligen Feuerwehr
zu. Und wenn man in die alten, vergilbten Akten hineinschaut, um die
früheren Daten auszugraben und neu zusammenzustellen, dann erkennt man,
wie sich am Schicksal einer solch bejahrten Feuerwehr beinahe die ganze
Geschichte des freiwilligen Feuerlöschwesens aufzeigen läßt. Und diese
Tatsache gibt diesem geschichtlichen Rückblick über den Anlaß des
Jubiläums hinaus, seien besonderen Sinn und Wert.
Das alte Linden
mit seien eng aneinander gebauten Häusern, seinen brandempfindlichen
Bauernhöfen und seiner wachsenden Industrie stelle einen ganz besonderen
Gefahrenherd für ausbrechbare Feuersbrünste dar. Aus Furcht vor dem
Feuer und seinen verheerenden Folgen hatte man mit der Feuerlöschordnung
vom 21.Juli 1860 besonders die Hauseigentümer zur Hilfeleistung bei
Bränden verpflichtet.
1.Gründung der Freiwilligen Feuerwehr
Anfang
der 70er Jahre geschah es, daß in kurzen Abständen dreimal in dem in
der Falkenstraße gelegenen Gasthaus „Holländer" Feuer gelegt wurde!
Dieses Ereignis führte den Lindener Einwohnern eindringlich die große
Gefahr vor Augen, die ein unzureichender Feuerschutz bedeutete. Zwar
gelang es das Gebäude zu retten, aber nur weil das alte Spritzenhaus
unweit der Brandstätte lag und Hilfe daher sehr schnell zur Stelle war.
Was wäre aber geschehen, wenn die Entfernung größer gewesen wäre? Diese
Sorge lastete auf der Einwohnerschaft.
Als einige Zeit danach, am
18. Oktober 1876, im „Holländer" ein Ball der Gemeindefeuerwehr
stattfand, wurde der Wunsch laut, auch in Linden, wie bereits
andererorts in Deutschland, einen freiwilligen Feuerwehrverein zu
gründen. 17 junge Männer waren zum Beitritt bereit. Die Initiative
ergriff der Klempnermeister Adolf Meyer. Schon am 22. Oktober fand die
erste Zusammenkunft statt, über die folgende Niederschrift vorliegt.
„Geschehen zu Linden am 22. Oktober 1876.
Gegenwärtig
1. Herr Klempnermeister Meyer, 2. Herr Maurermeister Steding, 3. Herr
Gelbgießer Schmidt, 4. Herr Dachdeckermeister Kollmann, 5. Herr
Malermeister Mohwinkel, 6. Herr Schreiber Schlüter, 7. Herr Knopfmacher
Röttger, 8. Herr Dachdeckermeister Krohne, 9. Herr Gastwirt Rabe, 10.
Herr Gemeindediener Borchers.
Bei dem am heutigen Abend
stattfindenden Balle der Lindener Feuerwehr wurde mehrseitig der Wunsch
geäußert, in Linden einen freiwilligen Feuerwehrverein zu bilden. Es
traten sofort die vorstehend genannten Herren zusammen, um die Sache
näher zu besprechen. Nachdem dieselben den Herrn Meyer zum Vorsitzenden
und den Gemeindediener Borchers zum Schriftführer gewählt, beschloß man,
sich als eine Kommission zu konstituieren, welche die Vorbereitungen
zur Bildung einer freiwilligen Feuerwehr für Linden einleiten sollte,
und wurde zunächst der Schriftführer Borchers beauftragt, für baldige
Herbeischaffung der Statuten der Freiwilligen Feuerwehr in Hannover
Sorge zu tragen und solche der
Kommission vorzulegen. Auch wurde der
Wunsch ausgesprochen, den Gemeindevorstand zu ersuchen, unser Vorhaben
beim Königlichen Amte zu befürworten.
Schließlich erbot sich der
Vorsitzende, Herr Meyer, zur Begründung des Vereins aus seinen Mitteln
die Summe von 300 DM zur Verfügung zu stellen, worauf folgende Herren
ebenfalls die nachstehenden Beträge zu dem genannten Zwecke einzuzahlen
sich verpflichten: 1. Herr Steding 25 Mark. Herr Schmidt 25 Mark. Herr
Mohwinkel 25 Mark. Herr Kollmann 25 Mark.Weitere Beschlüsse wurden am
heutigen nicht gefaßt, das weitere vielmehr einer in nächster Zeit zu
berufenden Versammlung vorbehalten."
Unmittelbarer Anlaß für die
Gründung der Freiwilligen Feuerwehr war also auch in Linden, wie fast
überall, eine vorhergegangene Brandkatastrophe und die Erkenntnis von
der Unzulänglichkeit der vorhandenen Feuerlöscheinrichtungen. Gefaßt
wurde der Entschluß von Bürgern der Gemeinde, die sich für das
Gemeindewesen verantwortlich fühlten und freiwillig die Verantwortung
auf sich nahmen. Handwerker waren es vor allem, die damals wie auch
heute noch an der Spritze standen. Und am Beginn stand das persönliche
Opfer für die ideale Sache.